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Star Trek

von Dimitrios Papatheodorou

Star Trek ist wieder da. Sieben Jahre hat es gedauert, bis man bei Paramount einen Weg gefunden hat, eine Serie im Kino wiederzubeleben, die man zuvor derart exzessiv gemolken hat, bis von dieser alten Kuh nur noch eine leere, komatöse Hülle übrig war. Die Lösung: Ein Reboot. Dieser Neusprech-Begriff bedeutet schlicht, allen bisher angesammelten Ballast über Bord zu werfen und neu anzufangen. Bei „Batman“ und „James Bond“ hat das gut funktioniert, warum also nicht auch hier?

Star-Trek-Fans in aller Welt müssen sich eingestehen: Ein derart radikaler Schnitt ist das Einzige, was das Franchise noch retten kann. Das Star-Trek-Universum ist interessant und bietet genügend Raum für an- und aufregende Storys, doch der gewaltige Zopf – oder Rattenschwanz – an Hintergründen, Kontinuität und Rahmenbedingungen, der sich in über 40 Jahren „Star Trek“ aufgebaut hat, schadet neuen Ideen und Projekten mehr, als dass er ihnen nützt. Man kennt sich in diesem Universum nach 10 Kinofilmen und fünf Fernsehserien mit insgesamt hunderten von Episoden einfach zu gut aus, um dort wirklich Neues entdecken zu können. Ein Abenteuerurlaub findet ja auch nicht im eigenen Wohnzimmer statt.

Das Produktionsteam um den aktuell sehr gefragten Regisseur J.J. Abrams (u.a. „Alias“, „Lost“, „Fringe“) stand also vor der schwierigen Aufgabe, einem neuen Publikum ein altes Zirkuspferd zu präsentieren, ohne zugleich die Heerscharen von Gralshütern der Star-Trek-Historie – gerne „Trekkies“ genannt - zu verprellen. Herausgekommen ist daher fast zwangsläufig ein Kompromiss.

Das Ganze ist ein Prequel, die Story ist also noch vor den Ereignissen der ursprünglichen Fernsehserie angesiedelt. Der Zuschauer erlebt, wie die damalige Brückencrew der U.S.S. Enterprise - also Kirk (Chris Pine), Spock (Zachary Quinto), Dr. McCoy (Karl Urban), Sulu (John Cho), Chekov (Anton Yelchin), Uhura (Zoë Saldana) und Scotty (Simon Pegg) – in ihren jungen Jahren zusammengefunden hat und zu einem einmaligen Team wurde. Dies geschah natürlich im Angesicht einer universalen Katastrophe, da in Hollywood nur so etwas Menschen wirklich zusammenschweißt. Der Feind ist Nero (Eric Bana), der mit seinem gewaltigen, oktopusartigen Raumschiff und Feuerstrahlen unter anderem die Erde vernichten will. Das alles ist nicht furchtbar originell und man sieht dem Film die Mühe an, die die Drehbuchautoren gehabt haben, alles zu einem wenigstens halbwegs funktionierenden Gesamtpaket zu verschnüren. Dass es an der Story hapert, merkt man unter anderem daran, dass es mehrere so genannte „Pointer Scenes“ gibt, also Sequenzen, in denen sich die Charaktere gegenseitig – und damit dem Zuschauer – erklären, was eigentlich los ist, und warum.

Letztlich, und das ist ein Teil des erwähnten Kompromisses, ist die eigentliche Story den Machern aber auch gar nicht furchtbar wichtig, denn es geht ihnen darum, das neue Star-Trek-Universum und die neuen alten Helden zu präsentieren und einzuführen. Das ist im Wesentlichen gelungen, trotz einiger sehr bemühter Konstruktionen und Ungereimtheiten in der Handlung .

Ein weiterer Teil des Kompromisses ist, dass J.J. Abrams einen zeitgemäßen Actionfilm inszeniert hat, ein offensichtlicher Versuch, den Film einem breiteren Publikum anzubieten. Bei „Star Trek“ geht es im Grunde ja nicht um Weltraummonster und grandiose Spezialeffekte, sondern um die Charaktere, ihre Interaktion und allgemeine und besondere Menschheitsfragen. All das wurde hier radikal gekürzt. Man muss Abrams jedoch zugute halten, dass er sehr viele Figuren einzuführen hatte, ohne sie zu Phrasenlieferanten zu degradieren. Das funktioniert recht gut. Allein das erste Viertel des Films ist in dieser Hinsicht misslungen und wirkt bisweilen unfreiwillig komisch (Eltern diskutieren im Angesicht des Todes über den Namen ihres Neugeborenen) oder deplatziert (auch auf vulkanischen Schulen gibt es offenbar Rowdys – ob sie Klein-Spock wohl auch das Frühstücksgeld abgenommen haben?) und hätte genau so gut ausgelassen werden können.

Der letzte Teil des Kompromisses soll hier nicht verraten werden, da er Dreh- und Angelpunkt der Story ist, daher nur so viel: Hier hat man tief in die SF-Mottenkiste gegriffen, um den Reboot auch den alten Fans zu verkaufen. Ob man sich damit anfreunden kann, bleibt jedem selbst überlassen.

Schauspielerisch gibt es bei den Hauptfiguren nichts zu bemängeln. Die Darsteller sind gut ausgewählt und versuchen gar nicht erst, ihre Vorbilder zu imitieren. Statt dessen bringen sie ihre eigene Interpretation der Charaktere ein, ohne sich allerdings radikal von ihnen zu entfernen.

Schlussendlich wird der neue „Star Trek“ auch an seinen potentiellen Nachfolgern gemessen werden. Dieser Film ist ein Eisbrecher, der ein ganz neues Kapitel in der Serie aufgeschlagen hat. Wenn diese auch in Zukunft in der Action-Ecke bleibt, dürfte sie sich jedoch schnell totlaufen. Es bleibt daher abzuwarten, ob sich die Storys statt dessen wieder in einer Balance zwischen „Power-Sci-Fi“ und charakter- und handlungsbestimmten Elementen einpendeln wird. Dann freuen sich bestimmt alle – nicht zuletzt dieser Kritiker - auf viele weitere Reisen des Raumschiffs Enterprise.

Star Trek
USA 2009
Länge: 126 Minuten
Regie: J.J. Abrams
Bilder: Verleih

Kinostart: 07.05.2009