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von Thorsten Boese
Was sich anhört, wie eine Thirtysomethings-Version von „Ey Mann, wo ist mein Auto?“ kommt doch ein bisschen subtiler und tatsächlich erwachsener daher. Auch wenn der Satz „Ich kann mich wirklich an absolut nichts erinnern“ (mit wechselnder Betonung auf „kann“, „wirklich“, „absolut“, „nichts“ und „erinnern“) so oft daherkommt, wie besagtes „Ey Mann, wo ist mein Auto?“ in gleichnamigem Film über Ashton Kutchers Lippen, lässt er gar allzu derben Klamauk außen vor. Bilder und Soundtrack sind stimmig und erzeugen eine lockere Vegas-Buddy-Movie Atmosphäre. Und so passt auch besagter Tiger und ein Phil-Collins-singender Mike Tyson gut in diese feucht-fröhliche Runde. Schwager Alan ragt dabei stets heraus, ob mit seiner kindlich-tumben Art, die Welt zu (be)greifen oder mit geschmacklich grenzwertigen, zumindest aber ungewöhnlichen Comedy-Einschüben. So bleibt zum Beispiel die Frage ungeklärt, unter welchen Umständen Alan schon ein Mal ein Baby „gefunden“ hat oder warum er sich auf richterliche Anordnung von Grundschulen und Spielplätzen fernhalten muss. Auch wirkt die kurze Hommage an „3 Männer und ein Baby“ durch bisher nicht gesehene Slapstick-Gewalt gegen Babys (lassen wir einmal Peter Jacksons „Braindead“ außen vor) etwas ungewohnt und schockierend. Aber warum sollte dieses Filmtabu heutzutage nicht auch gebrochen werden? Bedenklicher ist da schon eher der nicht weiter ausgeführte Hauch von Pädophilie, der das Riesenbaby Alan zuweilen umgibt. Grandios jedoch ist sein Auftritt als „Rain Man“, wenn er versucht, beim BlackJack die Bank zu sprengen.
Alles in Allem ist Hangover jedoch eine ziemlich lockere Vegas-Buddy-Comedy, die sehr viel netter ist, als man es vom „Road Trip“ Regisseur Todd Phillips erwarten würde. Die problematischen Geschlechterstrukturen treten eigentlich nur beim nachträglichen Rückblick zu Tage, was sie einerseits umso problematischer macht, da sie dem Zuschauer leicht durchs Raster fallen, andererseits lassen sie so ein unbeschwertes Filmerlebnis zu. Also: Während des Films Kopf ausmachen, danach noch mal nachfragen. Was jedoch wirklich bitter und unpassend aufstößt, ist die Fotostrecke im Abspann, die das verlorene Gedächtnis der Figuren und somit die Ereignisse der Blackout-Nacht nachstellen. Hier wurden offenbar alle Nutten-, Titten-, Kotz- und Saufbilder hineingepackt, die der Film so galant ausgespart hat. Und ebensowenig, wie sie im Film nötig waren, sind sie es am Schluss. Da sonst eher mit subtilem und cleverem Witz aufgefahren wurde, hätte ich hier mehr Einfallsreichtum erwartet. Hangover USA/Deutschland 2009 Länge: 100 Minuten Regie: Todd Phillips Bilder: Verleih Kinostart: 23. Juli 2009 | |||

