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Die Päpstin

von Lidia Lozanovska

Im Jahre 814 – im finsteren Mittelalter – wird ein außergewöhnliches Mädchen geboren: Johanna.

Johanna (als kleines Mädchen: Tigerlily Hutchinson), Tochter einer heidnischen Mutter und eines blindwütigen Dorfpriesters wächst unter Schlägen und Erniedrigungen auf, weil sie klug und wissbegierig ist. Von Kindesbeinen an wird ihr eingetrichtert, dass es unnatürlich ist, wenn eine Frau lesen und schreiben kann. Doch schon als kleines Mädchen setzt sie ihren Willen durch und schafft es, dass ihr größerer Bruder sie heimlich Latein schreiben und lesen lehrt. Als ihr Bruder schwer erkrankt und kurz darauf stirbt, scheint alles vorbei zu sein. Doch es scheint göttliche Fügung zu sein: Kurz darauf kommt der Leiter der Domschule, Aesculapius, nach Ingelheim, für den ein wacher Geist mehr Wert hat als das Geschlecht eines Menschen. So kann Johanna ihre Studien zum großen Unmut ihres Vaters fortsetzen. Aber auch das Glück scheint nicht von Dauer zu sein: Aesculapius wird von seinem Posten abberufen, er verspricht Johanna seinen Einfluss geltend zu machen und sie an die Domschule berufen zu lassen. Als jedoch kurz darauf ein Bote mit der Nachricht des Bischofs ins Dorf kommt, veranlasst der Vater zum Entsetzen von Johanna (als Teenager: Lotte Flack), dass ihr Bruder Johannes an die Domschule geht. Da erkennt Johanna, dass sie nicht länger im Dorf bleiben kann und noch in derselben Nacht verlässt sie das Dorf.

Wie nun Johanna dennoch an die Domschule gelangt, später ins Kloster von Fulda und schließlich auf den päpstlichen Thron, das darf sich der Zuschauer als opulentes quasi-historisches Ereignis auf der Leinwand ansehen. Es erscheint unglaublich: Im dunklen Mittelalter soll eine Frau unerkannt als Mann verkleidet im Kloster gelebt haben? Noch unglaublicher scheinen die Wendungen, Fügungen, die dazu führen, dass Johanna immer auf ihrem Weg bleiben kann. Sogar die Liebe lernt Johanna (letztlich: Johanna Wokalek) kennen, wenn auch auf Umwegen. Das ist der Stoff, aus dem spannende Filme und Romane gemacht werden.

Apropos Roman: Wer sich fragt, ob der Weltbestseller „Die Päpstin“ von Donna Woolfolk Cross romangetreu umgesetzt wurde, dem kann ich guten Gewissens sagen: Ja!
Wer das Buch verschlungen hat, wird den Film mit Genuss schauen. Immerhin sind es zweieinhalb Stunden, die der Film läuft und keine davon ist zu viel. Einzig die Liebesgeschichte erweckt im Film den Eindruck dramaturgischer Willkür, während sie im Buch langsam über viele Seiten hinweg an großer Bedeutung gewinnt.

Fazit: Für Cross’ Fans ein Muss! Für alle anderen: Ein spannendes historisches Drama, eine packende Geschichte, die historisch nicht eindeutig nachweisbar ist. Gibt es nun die Aufzeichnungen über eine Päpstin namens Johanna? Man kann sich vom Film anregen lassen, man kann es aber auch bleiben lassen und sich eine spannende und aufregende Geschichte auf der Leinwand erzählen lassen, während man vom Alltag abschaltet. Und so sollte der Film auch betrachtet werden: Als spannende Popcorn-Unterhaltung und als großes Leinwandkino – denn genau das ist „Die Päpstin“.

Die Päpstin
BRD, ITA, ESP 2009
Länge: ca. 148 Min.
Regie: Sönke Wortmann
Bild: Verleih

Kinostart: 22. Oktober 2009