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von Awazeh Khoschnam
Der Grund, dieses Hilfsmittel gerade in jenen Geschichten in den Vordergrund zu rücken, die auf wahren Ereignissen beruhen, liegt auf der Hand: Nicht jeden berührt ein historisches Ereignis per se. Durch Nationalität, Sprache und vor allem auch persönliche Erfahrungen sind wir geprägt durch Vorlieben, Wissen sowie daraus folgende Anteilnahme für Ereignisse, die wir mit Persönlichem assoziieren können. Liebe allerdings ist universell und wenn sich auf der Leinwand zwei Menschen verlieben und über sich hinauswachsen, dann fällt es leicht eigene Verhaltensweisen und/oder Hoffnungen wiederzuerkennen. Das Interesse ist somit geweckt und schwappt über auf die weniger leicht zugängliche Geschichtslektion. Denn wenn es um das Kennenlernen geht, sind Umstände immer bedeutungsvoll. Der Mauerfalljubiläumsfilm Liebe Mauer treibt diese Binsenweisheit auf den Höhepunkt. Hier lernen sich zwei junge Menschen im Herbst 1989 kennen, die durch die Macht der Umstände auf unterschiedlichen Seiten stehen. Franziska Schubert (Felicitas Woll, in einer typischen Rolle) zieht voller jugendlichem Enthusiasmus aus der Provinz zum Studieren nach Westberlin, direkt an den Grenzübergang am Checkpoint Charlie. Der Volksarmist Sascha (Maxim Mehmet) hingegen muss, von seinen regimetreuen Vater stark unter Erfolgsdruck gesetzt, drei Jahre dem Staat der DDR als Grenzsoldat an eben diesem Grenzübergang dienen, um einen Studienplatz in Medizin zu bekommen. Schon die erste Begegnung der beiden gibt den Plot vor: Nach einem Einkauf im billigen Ostsupermarkt will Franzi die Grenze zum Westen hin passieren, als ihre randvollen Tüten aufplatzen und der Inhalt sich auf dem Pflaster verteilt. Sascha, der das Ungeschick der hübschen Studentin von seinem Wachturm aus beobachtet hat, eilt, ganz vernarrter Gentleman, nach unten, um ihr zu helfen. Eine Hilfsleistung, die den unbekümmerten Soldaten, der das Kontaktverbot mit der feindlichen Westseite damit einfach ignoriert, fast das Leben kostet. Maschinengewehre zielen sodann von allen Seiten auf ihn, den „Republikflüchtigen“. Es ist einer dieser in Slow-Motion gedrehten, emotionalen Kinomomente, der die Anziehungsmacht zwischen zwei Personen über jeglichem pragmatischen Situationsempfinden schweben lässt. Dann aber geht das Leben weiter, mit allen Konsequenzen. Sascha wird verwarnt und von da an heimlich observiert. Weiterhin trifft er sich mit seiner neuen Bekanntschaft aus dem Westen. Je näher sich die beiden kommen, desto näher rücken auch die Stasi-Schergen des DDR-Regimes an sie heran. Vor dem Hintergrund der sich steigernden Unruhen kurz vor dem Mauerfall wird das Paar, das sich immer tollkühnere Methoden ausdenken muss, um sich zu treffen, mehr und mehr zum Zwecke der politischen Interessen instrumentalisiert. Der Horror jener Zeit scheint in Liebe Mauer anhand von farcenhaften Elementen zwar durch, wirkt jedoch nie wirklich bedrohlich. Was sicher auch daran liegt, dass die Handlung im Herbst 1989 spielt und der Mauerfall letztlich als Auflösung des Dramas fungiert. „Wir wollen das Fest der Wiedervereinigung mit komödiantischer Leichtigkeit noch einmal feiern[…]!“, Peter Timms erklärtes Ziel erfüllt sich mit diesem Film, der sich vor allem an junge Leute richtet, die über Bekanntes an deutsche Geschichte herangeführt werden sollen. Und das sind nun mal, gerade in der Jugend, die Aufregung und die Sehnsüchte der ersten großen Liebe. Liebe Mauer Deutschland 2009 Länge: 107 Min. Regie: Peter Timm Bild: Verleih Kinostart: 19.11.2009 | ||
