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Originelle Verfilmung eines Kult-Kinderbuches: "Wo die wilden Kerle wohnen"

von Kati Rausch

Wo die wilden Kerle wohnen handelt von dem achtjährigen Max, der sich von seiner Mutter und seinen Geschwistern vernachlässigt, unverstanden und zu wenig geliebt fühlt. In seiner Fantasie flüchtet er auf eine weit entfernte Insel inmitten eines Sturm umwogenen Ozeans: dorthin, wo die die wilden Kerle wohnen.

Die wilden Kerle sind riesige behaarte Ungetüme, die in ihrer filmischen Darstellung den Illustrationen von Maurice Sendak erstaunlich nahe kommen. Nach anfänglicher Skepsis nehmen sie Max freundlich auf, doch sie bleiben unberechenbar, eben wild. Nachdem sie Max zu ihrem König gemacht haben, muss dieser immer mehr erkennen, was dieses „wild“ bedeutet: Sie rennen auf ihrer Insel herum, verwüsten bei ihren Balgereien den Wald, bauen sich Häuser und zerstören sie, wenn ihnen danach ist. Sie leben ihre Emotionen unmittelbar aus und tun nur, wozu sie Lust haben, eigentlich das, wovon jedes Kind träumt. (Sie repräsentieren die wilden Emotionen in Max und in uns allen.)

Durch die wilden Kerle wird Max mit seiner eigenen Gefühlswelt konfrontiert und lernt nicht nur diese besser zu verstehen, sondern auch die Gefühle anderer.

Regisseur Spike Jonze, war es wichtig Max als ganz normalen Jungen zu zeigen.
Außerdem war beim Schreiben des Drehbuchs sein wichtigstes Kriterium, die Werte und Ziele der Buchvorlage zu übernehmen. Jonze sieht die Gründe für die Popularität der Buchvorlage darin, „dass es die wahren Gefühle der Kinder ernst nimmt und sie anspricht, ohne sich anzubiedern.“ Und genau das wollte er auch für seine Verfilmung erreichen.

Dass dieses Vorhaben gelingt, ist in besonderem Maße der starken und lebendigen Darstellung des Max durch Max Records zu verdanken.  Der 12jährige Records, der bisher in einigen Musikvideos mitgewirkt hat, gibt hier beeindruckend sein Filmdebüt. 
In der Rolle von Max´ überforderter Mutter erleben wir außerdem eine glaubwürdige Catherine Keener, die hier schon zum dritten Mal unter der Regie von Spike Jonze arbeitet und für ihre Leistung in seinem Film „Being John Malkovich“ eine Oscar-Nominierung erhielt.

Man spürt die Begeisterung des Regisseurs für Maurice Sendaks Kinderbuch.
Und ich möchte mich dem Autor anschließen, der über Jonzes Film sagt:  „Er ist originell. Er entwickelt ein komplettes emotionales, spirituelles und optisches Eigenleben, das gleichberechtigt neben dem Buch Bestand hat. Spike hat seine eigenen `Wilden Kerle´ geschaffen, ohne meine zu vernachlässigen.“

Wo die wilden Kerle wohnen ist, abgesehen von einigen Längen, ein lohnendes Kinoerlebnis für Zuschauer aller Altersgruppen.


Wo die wilden Kerle wohnen

USA 2009
Regie: Spike Jonze
Länge: 101 Minuten
Verleih: Warner Bros. Pictures

Kinostart: 17.12.2009