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Golden Globes 2010

von Thorsten Boese

Die Film- und Fernsehaward-Welle nimmt alljährlich ihren ersten Höhepunkt mit den Golden Globes, die auch letzte Nacht wieder vergeben wurden. Wie immer sind solche Preisverleihungen hauptsächlich sehr persönliche, höchst subjektiv geprägte Momente. Regisseure, Schauspieler, Drehbuchautoren, Komponisten, Zuschauer. Letzten Endes freut sich doch jeder einzelne über seinen Preis und ist ebenso geknickt, wenn ihn der (verhasste) Kollege einsackt. In diesem Sinne präsentiere ich dieses Jahr die Globes aus meinem persönlichen Blickwinkel und lass den ganzen Mist weg, der bei uns eh nicht interessiert. Die Kategorie "Best Mini-Series or Motion Picture Made for Television" zum Beispiel. Kriegen wir hier (zumindest im Fernsehen) eh nicht zu sehen. Aber wo soll da angefangen werden?

Vielleicht bei Joseph Gordon-Levitt. Der war nominiert als "Best Actor in a Motion Picture - Musical or Comedy" für seine Rolle in 500 Days of Summer, der ebenfalls als "Best Motion Picture - Musical or Comedy" nominiert war. Einen Globe bekommen hat weder Gordon-Levitt, noch der Film als Ganzes, obwohl er für mich eindeutig die schönste Dramedy des letzten Jahres war. Gordon-Levitt kennt man hierzulande wahrscheinlich am ehesten aus der Sitcom "Hinterm Mond Gleich Links" (3rd Rock From The Sun). Aber Joseph hat ’ne Menge mehr drauf, als klamaukige Comedy, wie er nicht nur im Teenie-Neo-HardBoiled-Noir Brick unter Beweis gestellt hat, bzw. im nominierten "500 Days of Summer". Ebenfalls seine Rolle in "Mysterious Skin" geht im wahrsten Sinne unter die Haut. Viel mehr will ich dazu gar nicht sagen. Einfach angucken! Einer der besten und bisher übersehendsten Jungdarsteller Hollywoods. Heath Ledger ist tot! Es lebe Joseph Gordon-Levitt!

Ein sehr übersehener Altmeister Hollywoods ist Jeff „Lebowski“ Bridges, der erfreulicherweise für seine Performance in "Crazy Heart“ den Globe bekommen hat und richtigerweise feststellte "You’re really screwing up my underappreciated-status here.“ Der Film kommt bei uns am 4. März in die Kinos.

Sehr erfreulich auch der Globe für einen anderen Altmeister: John Lithgow (wie Gordon-Levitt ebenfalls hier wohl am besten bekannt aus 3rd Rock From The Sun) bekam den Globe für seine "Best Performance by an Actor in a Supporting Role in a Series, Mini-Series or Motion Picture Made for Television" (was’n Titel) als "Trinity Killer“ in der 4. Staffel von Dexter. Verdienterweise. Als bester Hauptdarsteller in der gleichen Kategorie erhielt Michael C. Hall für seinen Dexter den Globe. Verdient hatte er ihn schon in der ersten Staffel, und der Verdacht liegt nahe, dass dies nun ein Mitleidsglobe ist, da seit ein paar Tagen Michael C. Halls Krebserkrankung bekannt ist.

Apropos schwere Schicksale: Drew Barrymore, die im Alter von sieben Jahren für E.T. vor der Kamera stand, und bereits als zwölfjährige für längere Zeit im Drogensumpf verschwand, konnte den Globe als Beste Hauptdarstellerin für "Grey Gardens" (TV-Film) mit nach Hause nehmen. Sehr rührend und verdient (über den Film weiß ich nichts, doch aber über ihre (Hollywood-) Karriere) nahm sie den Preis entgegen.

Große Freude für Deutschland, da gingen nämlich gleich 3 Globes hin (wenn man Sandra Bullock mitzählt): Nämlich an soeben Besagte für "The Blind Side", an Michael Haneke für den besten fremdsprachigen Film "Das weiße Band" und an Christoph Waltz, für seinen SS-Mann Hanns Landa in Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds". Keine Frage, Waltz hat letztes Jahr alle in den Schatten gestellt und der einzige Grund, warum er wohl nicht als Bester Hauptdarsteller, sondern nur Nebendarsteller nominiert war, muss sein, dass die Leute von der Hollywood Foreign Press Association "Inglourious Basterds" als Ensemblefilm sehen und somit kein wirklicher Hauptdarsteller auszumachen ist. Und da ist auch schon direkt neben der großen Freude für Waltz mein „größtes Globe 2010 Ärgernis“ zu finden: Hollywood erkennt Tarantinos geniale Meisterschaft über die Bereiche Drehbuch und Regie einfach nicht an. Zwar war "Inglourious Basterds" auch für das Drehbuch, Regie und Besten Film nominiert, bekommen hat er aber keinen der Awards. Noch immer ist Tarantino das böse Stiefkind, das sich hauptsächlich aus Hollywoods „Abfall“, den B-Movies, und dem verhassten Nicht-Hollywoodschen World Cinema genährt hat. Wahrscheinlich wird er irgendwann den Globe oder Oscar für sein Lebenswerk bekommen, ebenso wie Martin Scorsese letzte Nacht (Cecil B. Demille Award) oder vor drei Jahren für "The Departed"; ein Mitleidsoscar, weil man seine Filme zuvor nie mit einem Preis bedacht hat. "Taxi Driver" hat 1976 gegen "Rocky" verloren?! Tarantino wird wohl in vielen Jahren für einen sehr viel schlechteren Film den Oscar bekommen, weil die Leute einfach ein schlechtes Gewissen haben. Für mich stellt sich eigentlich die Frage, wieso Tarantino es nötig hat, bei den Globes oder Academy Awards überhaupt aufzutauchen und brav am Tischchen rumzusitzen, um sich übergehen zu lassen. Da sollte er es mit dem jüngeren Johnny Depp oder Sean Penn halten, die sich früher kategorisch von den inzestuösen Selbstbefruchtungsevents Hollywoods ferngehalten haben. Der einzige Grund dort aufzutauchen, sollte eben der gewesen sein, Christoph Waltz nicht seine Trophäe zu schmälern und das ist/wäre ihm nur hoch anzurechnen.

Ansonsten war alles ganz nett, Ricky Gervais hat die Moderation sehr witzig übernommen und keinen Zweifel daran gelassen, wer in dem ganzen Hollywoodzirkus wirklich seinen Respekt verdient.

Achso, eins noch: "Avatar" (3D) hat zwei der Trophäen eingeheimst, die "Inglourious Basterds" zugestanden hätten. "Best Motion Picture - Drama" und "Best Director - Motion Picture" (James Cameron). Das zeigt natürlich noch mehr die kapitalistische Macht Hollywoods: Eine knapp 300 Millionen Dollar Produktion und ein etablierter Regisseur für große Kassenerfolge wird da eher mit einem Preis bedacht, als ein Regisseur, der seinen ersten Erfolg auf dem Sundance Film Festival hatte. Cameron war nie der Bad Boy oder Eigenbrödler, als der Tarantino gilt. Mainstream lässt halt die Kassen klingeln. Im Kino kann man sich keine Long Tail leisten. Und dass Mainstream noch immer am meisten zieht, beweist, dass ich 5 Tage vor der gewünschten Vorstellung keine Karten mehr für Avatar (3D wohl gemerkt) reservieren kann. Alle schon weg. Nicht nur im Cinedom Köln, ähnliche Zustände werden aus anderen Städten berichtet. Dabei bin ich mal gespannt, was unser Redakteur Dimitrios Papatheodorou dieses Mal zum Stand des 3D-Kinos berichten würde.