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von Dimitrios Papatheodorou
Die neueste Regiearbeit von Clint Eastwood nimmt sich einer historischen Episode an, die auch ohne filmische Umsetzung inspirierend ist: Die Überwindung von Rassismus und Ressentiments und die Aussöhnung einer Nation, die so tief gespalten war wie kaum eine andere der jüngeren Geschichte. Zwar sind bis heute nicht alle Probleme Südafrikas gelöst, doch dass es nach dem Ende der Apartheid nicht zu Bürgerkrieg, Blutvergießen und Vertreibungen gekommen ist, ist historisch bemerkenswert und keineswegs selbstverständlich. Wie die Geschichte auch hätte verlaufen können zeigt das Beispiel des von Robert Mugabe regierte Zimbabwe. Ebenso inspirierend ist die Geschichte der „Springboks“, die nach Jahrzehnten des Ausschlusses von internationalen Wettbewerben als Außenseiter die Rugby-WM 1995 im eigenen Land gewinnen konnten. Mandelas Weigerung, das Team als Symbol für weißen Elitarismus und strikte Rassentrennung abzuschaffen und es vielmehr als Katalysator einzusetzen, um das genaue Gegenteil zu erreichen zeugt von Weitsicht und Einfühlungsvermögen. Eastwood nimmt nun diese beiden, sowohl für sich alleine als auch zusammengenommen außergewöhnlichen Themen und verknüpft sie zu einem Biopic-Sportfilm. Leider ist die Zusammenführung nicht geglückt. So groß der Respekt des Zuschauers vor der Persönlichkeit Mandelas und den historischen Ereignissen ist, und so sehr man die Begeisterung für die sportliche Sensation nachfühlen kann, so wenig zwingend erscheint dem Zuschauer das Geschehen auf der Leinwand. Der Film versäumt es, das Publikum emotional zu fesseln, es spüren zu lassen, wie mit jedem Punktgewinn in jedem Rugby-Match eine Gesellschaft weiter zusammenwächst. Vielmehr verstärkt sich mit zunehmender Laufzeit das Gefühl, dass durch immer neue Reden die Botschaft vermittelt, ja geradezu erklärt wird, wie besonders und inspirierend dies alles war. Man beobachtet, man versteht, aber man fühlt nicht. Dies liegt in erster Linie daran, dass der Sport-Teil des Films nur wenig fesselnd ist. Offenbar sind Sportfilme nicht Eastwoods Metier. Die politischen und persönlichen Aspekte rund um Mandela sind weitaus interessanter inszeniert. So ist beispielsweise das zunächst schwierige Verhältnis von Mandelas Leibwächtern untereinander – auf dessen eigene Anordnung ein Team aus Weißen und Farbigen – bis zum Schluss sehenswerter und insgesamt relevanter als die Darstellung des Rugby-Teams, in dem ein einziger Farbiger spielt. Einzelne Momente stechen hervor: Mandelas persönlicher Umgang mit seinen Angestellten oder offiziellen Besuchern, oder seine persönliche Intervention, um die bereits beschlossene Abschaffung der „Springboks“ rückgängig zu machen. Es entsteht das Gefühl, dass der Film hier viel mehr Eindringliches hätte schaffen können, wenn da nicht noch der Sport gewesen wäre. Morgan Freeman, den eine Freundschaft mit Nelson Mandela verbindet, und dem es ein persönliches Anliegen war, diesen in einem Film zu verkörpern, macht seine Sache ausgesprochen gut. Der Zuschauer hat keinerlei Schwierigkeiten, ihn als Mandela zu akzeptieren. Es gelingt ihm, durch seine Stimme und Körpersprache die Aura eines großen Mannes zu erzeugen. Sein Gegenüber Matt Damon bleibt hingegen eher blass, was auch mit den Schwächen seines Teils der Story zusammenhängt. Ihm fehlt hier das Charisma und die Ausstrahlung, die seine Rolle gleichsam als sportliches Gegenstück zu Mandela erfordert hätte. Letztlich ist Invictus als fiktionalisiertes Dokument eines historisch bedeutsamen und beispielhaften Geschehens relevant, bleibt als Film jedoch hinter den Erwartungen zurück, die eben diese Ereignisse ebenso wecken wie das Filmteam vor und hinter der Kamera. Invictus USA 2009 Länge: 133 Minuten Regie: Clint Eastwood Bild: Verleih Kinostart: 18.02.2010 | ||
