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Shutter Island: Die mysteriöse Insel der Verrückten!

von Gorden Dubbels

Boston Harbour, 1954. U.S. Marshal Teddy Daniels (Leonardo DiCaprio) und sein Partner Chuck Aule (Mark Ruffalo) nehmen an einem nebeligen Morgen Kurs auf die abgelegene Insel Shutter Island, ein Exil für psychisch kranke Straftäter, um das mysteriöse Verschwinden der Patientin und mehrfachen Mörderin Rachel Solando (Emily Mortimer) aufzuklären. Die fiktive Insel, die dem stillgelegtem Alcatraz ähnelt, ist absolut ausbruchsicher, da sie nur mit einer einzigen, von der hiesigen Polizei kontrollierten Fähre erreichbar ist und das Ashecliffe Hospital selbst von einem unüberwindbaren Elektrozaun umgeben ist. Ein Ausbruch von der Insel scheint unmöglich. Angekommen auf der Insel, stoßen die beiden Bundesagenten auf eine Mauer des Schweigens und der Klinikchef Dr. Crawley (Ben Kingsley) scheint die Ermittlungen zum Verschwinden der Patientin Rachel zunächst zu boykottieren.

Teddy Daniels, der seit Ankunft auf Shutter Island mit seinem Trauma aus dem zweiten Weltkrieg und dem Tod seiner Frau Dolores ringt, vermutet den Mörder seiner Frau unter den Patienten der Anstalt. Heimgesucht von Alpträumen und Halluzinationen, weist ihm seine tote Frau bruchstückhaft den Weg zu ihrem vermeintlichen Mörder. Aus der Sicht von Teddie Daniels verdichten sich mit der Zeit außerdem die Hinweise, dass Shutter Island keine gewöhnliche Strafanstalt für Geisteskranke ist, sondern vielmehr eine Brutstätte für menschliche Experimente.

Die Vorlage zum Film lieferte der Bestseller-Autor Dennis Lehane mit seinem gleichnamigen Thriller-Roman „Shutter Island“, die nach „Mystic River“ (Regie: Clint Eastwood) und „Gone baby gone“ (Regie: Ben Affleck) bereits seine dritte Roman-Adaption für die große Kinoleinwand ist. Auf den ersten Blick scheint die Story trivial, doch nichts ist so wie es zunächst den Anschein hat. Die Handlung des wendungsreichen Psychothrillers bietet mehrere Facetten und greift verschiedene Themen wie Kriegstraumata, Schuldgefühle und Verschwörungstheorien auf und verbindet diese oftmals geschickt und raffiniert. Dank der visuellen starken und „phantastischen“ Bildkomposition von Kameramann Robert Richardson (Inglourious Basterds), gerät der Zuschauer ebenso wie sein Hauptdarsteller DiCaprio in den Zog der komplexen Handlung, und mit der Zeit verschwinden die Grenzen zwischen Realität und Traum. Nichtsdestotrotz gibt es vereinzelnd Erzählstränge, die isoliert betrachtet besser als Teil der Gesamtkomposition funktionieren. Verwirrend erscheinen zunächst die, auf den ersten Blick voneinander unabhängigen Rückblenden (Krieg, Frau und Flucht) bzw. die albtraumhaften Filmsequenzen, die verstörend und empathisch zugleich wirken.

Das stürmische Wetter spielt am Anfang der Handlung eine überaus wichtige Rolle. Gemeinsam mit dem spartanisch eingesetztem Film-Noir Licht, bilden diese einfachen Komponenten die Grundvoraussetzungen für die lebhafte wie gruselige Atmosphäre auf der mysteriösen Insel, welche die innere Zerrissenheit und Hoffnungslosigkeit der Patienten widerspiegeln. Manchmal aber wirken einfach zu viele visuelle Eindrücke auf den Zuschauer ein und man bleibt mit dem Gefühl zurück, den Faden der Geschichte allmählich zu verlieren. Leider verliert der erzählstarke „Überlänge-Film“ (typisch fur Scorsese) im Hauptteil zeitweise seinen Fokus auf den Kern der Geschichte. Sehr gut hingegen gelungen ist der minimalistische wie eindringliche Score sowie die visuell beeindruckende und vielschichtige Bildkomposition ausgezeichnet durch spektakuläre Kamerafahrten, klaustrophobische Nahaufnahmen und eindringliche Zeitlupeneffekte.

Der Film steht und fällt zweifelsohne mit seinem Hauptdarsteller. DiCaprio schafft es problemlos der vielschichtigen Figur des Detectives Teddy Daniels Leben einzuhauchen und das oftmals mit nur simplen schauspielerischen Mitteln. Sein an die Seite gestellter Polizeikollege Mark Ruffalo dient vorwiegend als Stichwortgeber. Dies ist aber in erster Linie seiner stereotypen Rolle zu verschulden und nicht seiner dargebotenen schauspielerischen Leistung. Ben Kingsley ruft wie gewohnt sein breites Schauspielreportoire ab. Das Cast ist durch die Bank gut besetzt, lediglich Michelle Williams kann in Ihrer Rolle als Ehefrau von Leonardo DiCaprio nicht wirklich überzeugen und wirkt überwiegend farblos.

Resümee: Der Meisterregisseur Scorsese setzt, seit seinem damals hochgelobten, aber von der Oscar-Jury nicht berücksichtigten Drama „Taxi Driver“, abermals bewusst auf eine präzise ausgearbeitete Atmosphäre, nimmt sich dabei einige Filmklassiker zum Vorbild und abstrahiert daraus einen modernen, mit Film-Noir Elementen bestückten Thriller mit vielen gewollten Verwirrungen und Wendungen. Scorsese ist mit „Shutter Island“ zwar kein neues Meisterwerk gelungen, aber durchaus ein sehr unterhaltsamer und spannender Psychothriller für den mitdenkenden und wendungsaffinen Zuschauer.


Shutter Island

USA 2009
Länge: 138 Minuten
Regie: Martin Scorsese
Bild: Verleih

Kinostart: 25.02.2010