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Die Oscars 2010 - Gewinner und Verlierer

von Thorsten Boese

Gäbe es eine entsprechende Kategorie bei den Razzie Awards für die schlechteste Moderation einer Preisverleihung, so könnten Steve Martin und Alec Baldwin, die letzte Nacht durch die diesjährigen Oscars führten, die Goldenen Himbeeren wohl kaum noch streitig gemacht werden. Die beiden brachten ausschließlich Gags aus der Mottenkiste und kamen so langweilig daher, wie man es bei den Oscars seit Jahren nicht mehr miterleben durfte. Einziges Highlight war ihre Parodie auf „Paranormal Activity“ (in den nächsten Tagen mal YouTube checken), die einem Tribut an das Genre des Horrorfilms vorausging. Außer der Reihe wurde der letztjährig verstorbene John Hughes mit einem Zusammenschnitt seiner Werke geehrt. Er hatte in den 80ern das Genre des Teenagerfilms aus dem Boden gestampft und zeichnete verantwortlich für Klassiker wie „Breakfast Club“, „Ferris Buellers Day Off“, „Pretty in Pink“ und „Kevin Allein zu Haus“. Zu seiner Ehrung traten mit Jon Cryer, Anthony Michael Hall, Molly Ringwald, Judd Nelson, Ally Sheedy, Macaulay Culkin und Matthew Broderick die bedeutendsten Vertreter seiner Darstellerriege auf die Bühne.

Christoph Waltz ist Bester Männlicher Nebendarsteller
First Things first: Nachdem Christoph Waltz letztes Jahr international über 25 Mal diesen Preis für seine herausragende Leistung in Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“ an sich nehmen durfte, war ihm der Oscar im Grunde schon vorab sicher. Seine Dankesreden richten sich alle ausschließlich an Tarantino, der bei den Oscars ansonsten leer ausging.

6 Oscars für Tödliches Kommando - The Hurt Locker. 3 für Avatar
„The Hurt Locker“ hat von seinen 9 Oscarnominierungen 6 in die entsprechende Statuette verwandeln können und verwies den ebenso oft nominierten „Avatar“ auf den zweiten Platz. Obwohl dieses Jahr so viele Filme, wie schon seit 1944 nicht mehr (damals gewann „Casablanca“), in das Rennen um den Besten Film gingen, nämlich 10 anstatt der üblichen 5 Nominierten, spitzten sich doch gerade in der letzten Woche die Diskussionen um den möglichen Gewinner auf „Avatar“ und „The Hurt Locker“ zu. Angefacht von dem Ausschluß eines der Hurt Locker Produzenten von der Preisverleihung, weil er per E-Mail bei den Juroren gegen Avatar Stimmung gemacht hatte, tauchten alle anderen Nominierten unter die mediale Wahrnehmungsschwelle. Darunter so hochkarätige Filme wie „Inglourious Basterds“, „District 9“, „A Serious Man“ und das für die Oscars wohl viel zu sperrige autobiographische schwarze Missbrauchsdrama „Precious“, der letzte Woche bei den Independent Spirit Awards groß abräumte.
Neben dem Oscar für den Besten Film gewann Kathryn Bigelow für ihr Irakkriegsdrama aus Sicht eines US-Bombemräumkommandos, „The Hurt Locker“, als erste Frau in der Geschichte der Academy Awards den Preis als beste Regisseurin. Weitere Oscars erhielt der Film für den Besten Schnitt, Besten Sound, Bestes Sound-Editing und das Beste Original-Drehbuch.
„Avatar“ hingegen bekam lediglich die Trophäen für die Beste Kameraarbeit, Art Direction und Visual Effects.

Bester männlicher Hauptdarsteller ist Jeff Bridges für seine Rolle des saufenden Countrysängers Bad Blake in dem Film „Crazy Heart“, der ebenfalls für den Besten Original-Song ausgezeichnet wurde. Nominiert war auch Maggie Gyllenhall als beste Nebendarstellerin, musste sich aber Mo’Nique geschlagen geben, die bereits den Golden Globe für ihre Rolle in „Precious“ erhielt. „Precious“ selbst gewann zusätzlich den Oscar für das Beste Adaptierte Drehbuch. Die Beste Weibliche Hauptrolle ging an Sandra Bullock für den Film „The Blind Side“, in dem sie einem schwarzen Jungen von der Straße ein schönes Leben in ihrer weißen Südstaaten-Redneck-Welt eröffnet - oder ihn dazu nötigt, das weiß man nicht so genau. Diese Auszeichnung ist nicht nur ein Affront gegen Gabourey Sidibe aus „Precious“ sondern ebenfalls für solch große Schauspielerinnen wie Helen Mirren (The Last Station) und Meryl Streep (Julie & Julia), die ebenfalls nominiert waren. The Blind Side, der ebenfalls für den Besten Film nominiert war, ist eine weißgewaschene Hollywoodphantasie vom zu integrierenden Edlen Wilden, bzw. dem Magical Negro, die im Kern zutiefst rassistisch ist.

Der Beste Fremdsprachige Film wurde hingegen vieler Erwartungen nicht Michael Hanekes „Das weiße Band“, der ebenfalls für die beste Kameraarbeit nominiert war. Haneke macht in Interviews immer wieder klar, dass für ihn der wichtigste Preis als Künstler die Goldene Palme aus Cannes ist und die hat er längst gewonnen. Er ist definitiv einer der großen internationalen Filmschaffenden, doch kann er weder etwas mit Hollywood anfangen, noch Hollywood mit ihm. Sein fehlgeleitetes US-Remake von „Funny Games“ machte das mehr als deutlich. Insofern ist es um diese übergangene Auszeichnung nicht schade. Verdient hätte die Auszeichnung allerdings Jacques Audiards „Un Prophete“, ein Knast- und Gangsterdrama, das das gesamte Genre neu definiert und ebenfalls in Cannes punkten konnte. Dort gewann er den Großen Preis der Jury. Den Preis in Empfang nehmen konnte hingegen der argentinische Regisseur Juan José Campanella für seinen Film „El secreto de sus ojos“.

Bester Animationsfilm wurde Disney/Pixars „Oben“ und stach damit ebenfalls hochkarätige Konkurrenten aus. Wes Andersons „Fantastic Mr. Fox“ zum Beispiel und den britischen „Coraline“. „Oben“ bekam ebenfalls die Auszeichnung für den besten Soundtrack. Bester Animierter Kurzfilm wurde „Logorama“, der sich durch ein Universum von Warenzeichen schlängelt. Bester Kurzfilm wurde „The New Tenants“, Beste Kurzdoku „Music by Prudence“, Beste Doku „The Cove“. Bleiben noch Bestes Makeup für "Star Trek” und Bestes Kostümdesign für „The Young Victoria“.

Bilder: © A.M.P.A.S.