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Iron Man 2 - Actionkracher in harter Verpackung mit gefühligem Kern

von Erasmia Stamnas

Der Film beginnt im winterlichen Moskau, in einer Wohn-Schlaf-Werkstatt, das schmuddelig- düstere Gegenstück zu Iron Mans stylischem High-Tech-Labor. Während eine russische Fernsehübertragung und Zeitungsartikel von Toni Starks' (Robert Downey jr.) Outing als Iron Man erzählen (und der Film so nahtlos an den ersten Teil anknüpft), erlebt der Zuschauer die Geburt eines neuen Bösewichts aus funkensprühendem Feuer.
Ivan Vanko alias Whiplash (Mikey Rourke) ist diesmal einer von Iron Mans Gegenspielern, ein elektrisierender Charakter aus dem schier unerschöpflichen Marvel-Kosmos. Ursprünglich eine Figur amerikanischer Herkunft (Tales of Suspense #97 - 1968), wurde die klassische Identität ersetzt durch eine Person mit russischem Hintergrund. So kommt Amerikas liebster Intimfeind auch nicht zu kurz. Eine, meines Erachtens gelungene, Transformation, denn größer könnte der Gegensatz zum reichen All American Iron Man kaum sein.
Dessen erster Showauftritt, fulminant beschallt vom AC/DC-Klassiker "Shoot to Thrill", folgt on the fly. Auf der Star Expo lässt sich ein – müde aussehender - Tony Stark von einem frenetischen Publikum als Held feiern.
Lästig wird dabei lediglich ein eigens eingesetzter politischer Ausschuss, dessen Aufgabe es ist, Stark dazu zu bringen die einmalige Iron-Man-Technologie dem amerikanischen Staat auszuhändigen, was er selbstherrlich verweigert.
Und während der ahnungslose Tony Stark damit beschäftigt ist, sich bewundern zu lassen, erwächst im fernen Moskau ein weiterer Beherrscher der Iron-Man-Technologie, und der Zuschauer ahnt, dass Iron Man schon bald seinem Schatten begegnen wird.

Eine erste Vermutung, bei Starks müdem Look handle es sich um eine Folge des ausschweifenden Partylebens, weicht schnell der traurigen Realität: Passend unterlegt von einem weiteren AC/DC-Song ("Highway to Hell") erfährt der Zuschauer (und nur der), dass der palladiumbetriebene Reaktor in Tonys Brust – Quelle der Iron-Man- Kraft – instabil ist: Das Element zerfällt und vergiftet sein Blut. So sucht der tödlich verwundete Held in der Einsamkeit seines Labors den heiligen Gral der modernen Umwelttechnik: Eine saubere, umweltfreundliche, sich selbst regenerierende Energie, die nicht nur seinen Körper gesunden lässt.
Für die Leitung von Stark Industries findet er dabei keine Zeit mehr, er überträgt sie seiner alten Weggefährtin Pepper Potts (Gwyneth Paltrow) und zieht sich aus allen Ämtern zurück. Sie nimmt die Herausforderung an, aber ihre neue Verantwortung und seine Vergnügungssucht entfernt die beiden immer mehr voneinander.
Die Lücke wird schnell gefüllt: Auftritt der neuen Assistentin Natalie Rushman (Scarlett Johansson), optisch ein Hingucker in engem Kostüm, die bald ihr wahres Format zeigt.

Beim Grand Prix von Monaco kommt es endlich zum Aufeinandertreffen des geschwächten Helden auf einen geladenen Gegner.
Ivan Vanko wird zu Whiplash, dessen wuchtige Schläge mit der Strompeitsche Rennautos zerschneiden wie ein Messer ein Sahneschnittchen. Nur mit großer Mühe kann Iron Man ihn bändigen, Ivan wird verhaftet, aber der Schaden ist angerichtet: die ganze Welt hat gesehen, dass er sein Kraft-Monopol verloren hat.
Das ist die Gelegenheit für seinen ehemalige Konkurrenten Justin Hammer, genial gespielt von Sam Rockwell, der sich in derselben Liga sieht wie Stark, aber stets an seiner eigenen Zweitklassigkeit scheitert. Wo Stark Visionen hat, denkt Hammer beschränkt, wo Stark global agiert, handelt Hammer kleinlich. Er holt sich zwar Ivan als Chefkonstrukteur, aber erkennt nicht dessen wirkliche Fähigkeiten und Absichten.
Und so verfolgt Vanko als genialer Tüftler mit Vogel und, dank Hammer, mit allen  Ressourcen seine ganz eigenen Pläne.

Derweil flieht Tony Stark vor der eigenen Sterblichkeit in die nächste Party.
Mit der Geburtstagsfeier ist der absolute Tiefpunkt erreicht, ein geschwächter und völlig betrunkener Iron Man macht sich zur Witzfigur. Ein Versuch des alten Freundes Rhodey (Don Cheadle), ihn zur Vernunft zu bringen, scheitert, Rhodey klaut einen Iron-Man-Anzug (Mark II) und entschwebt damit zur heimischen Militärbasis.
Hier wird der Anzug jedoch von Hammer übernommen, und von Vanko zur War Maschine umgebaut, ein Symbol für die rohe Waffenkraft, in der Rhodey beim Showdown noch einen großen Auftritt haben wird.
Tony Stark ist seelisch und körperlich am Ende, und endlich erscheint Schutzengel Nick Fury (Samuel L. Jackson). Nach einem Sekundenauftritt im ersten Iron Man Teil hat Jackson hier etwas mehr Raum für seine Erlöserrolle. Hilfreich reicht er Tony die Hand und einige weitere Utensilien: Hinterlassenschaften seines Vaters, Physiker und Erfinder, dessen Pläne Tony auf die richtige Spur bringen sollen, während Vanko bereits zum Endschlag ausholt.

Der Schwerpunkt des Films liegt natürlich auf den wuchtigen, aufwendigen Action- und Kampfszenen, von denen es reichlich gibt: das Wagenrennen vor Monacos internationaler Edelkulisse, der Kampf der Freunde in Starks elegant durchgestylter Villa in Malibu, der rasante Showdown: Iron Man gejagt von einer Horde Androiden, inszeniert in computermässiger Ballerspielmanier.
Diese werden kontrastiert von persönlichen Szenen, in denen Regisseur John Favreu seinen Figuren Raum zur Entfaltung gibt. Die Kamera geht dicht heran and die Protagonisten, fängt detailreich erschöpfte Gesichter, tätowierte Körperstellen, und weiche Kurven ein.
Dabei prägen, wie schon im ersten Teil, trockener Humor und eine leise ironische Distanz den Erzählstil. Als All-in-One-Actor (Butler, Chauffeur, Sparringpartner Happy Hogan), beweist der Regisseur auch sein komisches Talent als Schauspieler.
Robert Downey jr. spielt überzeugend, und mit einer gewissen stoischen Ergebenheit den langsam zerfallenden Helden, der sich in seiner Beziehung zu Pepper ausgesprochen ungeschickt anstellt. Nur mit Mühe kann Pepper den Strauchelnden auf der Bahn halten; da er sich ihr nicht anvertraut, kann sie seine Motive nicht verstehen, und so streiten sie ständig. Das Prickeln und Knistern bleibt den Szenen zwischen Tony und Natalie vorbehalten. Scarlett Johansson spielt (wie immer) souverän und bewährt sich bestens als Actionheldin, zeigt sie doch in einer beeindruckend choreografierten Kampfsequenz eine perfekte Körperbeherrschung.
Mit Whiplash, himmlisch diabolisch gespielt von Mikey Rourke, hat der "Wrestler" eine weitere Traumrolle gefunden. Man hätte sich nur gewünscht, die Kamera hätte länger auf seinen Tatoos verweilt.

Bemerkt sei noch, dass man Iron Man 2 auch ohne Kenntnis des ersten Teils genießen kann.
Exzellente Besetzung, perfekte Effekte, eine solide Story, unterlegt mit legendären Hits der Heavyrockgruppe AC/DC ("Shoot to Thrill", "Highway to Hell", "T.N.T", "Thunderstruck") garantieren einen coolen Kinoabend.

Iron Man 2
USA 2010
Länge: 124 Minuten
Regie: John Favreu
Bilder: Verleih

Kinostart: 06.05.2010