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"I don't like reggae, oh no..."

von Tanja Betzmeir

Rien ne va plus. Nichts geht mehr. Deutschland hat gewählt und herausgekommen ist: Keine Entscheidung. Die alte Regierung wollen wir nicht mehr. Das steht wohl fest. Dass wir die vielgepriesene neue aber auch nicht so recht wollen, hat sich in den Wahlresultaten manifestiert. Drei Sitze Vorsprung hat die CDU im Bundestag derzeit vor der SPD, und um drei Sitze geht es auch in den Nachwahlen in jedem Dresdner Wahlkreis, der im kurzen, aber heftigen Wahlkampf sogar eine Kandidatin eingebüßt hat. Im schlimmsten Fall gibt es nach dem 2. Oktober also ein Patt. Da ist kein Vor und kein Zurück mehr möglich. Eine große Koalition unter der Führung des Kandidaten der jeweils gegnerischen Partei schließen sowohl SPD als auch CDU aus. Ein Zusammenschluss mit nur einer der drei kleineren Parteien reicht keiner der beiden großen Parteien für die Mehrheit. Einer dieser drei möglichen Koalitionspartner, die gerade erst entstandene umstrittene Linkspartei will vom Regieren sowieso nichts wissen. Lieber hält sie sich dezent im Oppositionshintergrund. Es ist eben leichter, aus der Hinterbank zu meckern, als die Dinge selbst eigenverantwortlich in die Hand zu nehmen und dafür Kritik einzustecken.

An diesem verzwickten Punkt kommt nun Jamaika ins Spiel. Jamaika ist ein kleiner selbstständiger Inselstaat südlich von Kuba. 2,6 Millionen Einwohner teilen sich dort ca. 11.000 m² Fläche mit Wimpelschwänzen und Jamaikaeulen. Sklaverei und brutale Gewalt gehörten unter der englischen Kolonialherrschaft von 1655 bis in die 30er Jahre des 20.Jahrhunderts auf Jamaika zur Tagesordnung. Erst seit 1962 gilt Jamaika offiziell als unabhängiges Land. Außer dem bekannten Jamaika-Rum werden auch Bananen und Zuckerrohr sowie Aluminium von der Karibikinsel aus in alle Welt verschifft.

Um das alles geht es aber gar nicht. Allein die Farben von Jamaikas Nationalflagge sind es, die momentan in Deutschland einen Boom erleben: Schwarz-gelb-grün. Die Jamaikakoalition soll her! Den Grünen ist dieses aparte Farbenspiel allerdings noch etwas suspekt. Bei dem Geschwampel, das die CDU sich zusammenträumt, haben sie leichtes Magendrücken. Schließlich hieße es dann, um der Einigung willen wieder ein paar der guten Vorsätze ad acta zu legen. Andererseits könnten sie ihre Machtposition dadurch auch gehörig ausbauen. Momentan ist die CDU von einem dritten Koalitionspartner so abhängig wie Jamaika von den Bananen, da nimmt man schon mal einiges in Kauf.

Vielleicht wäre ein klein wenig Jamaika-Feeling aber gar nicht so schlecht für Deutschland. Wenn nach ein paar "Legalize it"-Reformen plötzlich jemand Angie im Bundestag auf die Schulter tippen würde und sagen: „I’ve got it, you want it, my harvest is the best and if you try it, you’ll like it...“, wer weiß, möglicherweise würde sie sich ja überzeugen lassen. Ein bisschen mehr Gelassenheit könnte ihr nicht schaden.

"Don’t like Jamaica, oh no, I love her..."