SpiriTV - ... gemeinsam Medien machen
Cologne Centurions: Frankfurt Galaxy war zu stark

von Dimitrios Papatheodorou; Fotos: Sandra Scherning

Die Cologne Centurions sind aus dem Finalrennen ausgeschieden. In der Frankfurter Commerzbank Arena unterlagen sie der insgesamt deutlich überlegenen Frankfurt Galaxy verdient mit 31:14. Frankfurt spielt nun nächste Woche gegen die Hamburg Sea Devils um den World Bowl.

Vor 35.087 Zuschauern, die einen ohrenbetäubenden Lärm veranstalteten, begannen die Centurions wie so oft in dieser Saison eher behäbig mit Laufspielen. Bereits im zweiten Spielzug der Partie wurde dabei der zweite Running Back A.J. Harris verletzt und musste aus dem Spiel ausscheiden. Köln beendete diesen Drive mit einem Punt. Galaxy zeigte im Gegenzug, dass man unbedingt entschlossen war, als Sieger vom Platz zu gehen. Quarterback J.T. O’Sullivan führte sein Team mit abwechselungsreichem Spiel bis an Kölns 25-Yard-Linie, wo sich die Frankfurter entschlossen, einen vierten Down auszuspielen. Die Kölner Defense hielt zwar dieses Mal und erlangte so den Ball zurück, doch es hatte sich bereits jetzt gezeigt, dass die Gäste einen schweren Abend vor sich haben würden. Die nächste Angriffsserie der Frankfurter führte sie bis in die Kölner Red Zone, wo Rhys Lloyd ein Field Goal von der 11-Yard-Linie zum 3:0 verwandelte. Im direkten Gegenzug bot sich den Centurions die Chance zum Ausgleich, als sie an Frankfurts 22-Yard-Linie ein Field Goal versuchten. Doch Kicker Nick Novak verschoss zum siebten Mal in dieser Saison und die Kölner blieben im Rückstand. Nun begann die stärkste Phase der Frankfurter. Zwei Pässe über 12 bzw. 17 Yards von Quarterback Kevin Eakin sorgten für den Pausenstand von 17:0 aus Frankfurter Sicht. Die Centurions hatten kein Mittel gefunden, die Frankfurter Offense zu stoppen und gleichzeitig auch nicht gezeigt, dass sie der Frankfurter Abwehr gefährlich werden könnten.

Die zweite Halbzeit setzte zunächst die Eindrücke aus der ersten fort. Der erste Frankfurter Drive führte auch gleich
zu einem Touchdown-Pass durch J.T. O’Sullivan. Es stand 24:0 und die Nerven der Gäste lagen blank. Direkt nach dem Touchdown entwickelte sich ein Handgemenge zwischen Kölner und Frankfurter Spielern. Die Schiedsrichter erkannten in dem Kölner Linebacker Clifton Smith und seinem Kollegen Kevin Curtis die Rädelsführer und verwiesen beide des Platzes. Doch diese Missgeschicke schienen wie ein Weckruf auf die Kölner Offensive zu wirken, denn nun zeigten die Centurions endlich einmal das Potential, das sie bis zum Schluss im World-Bowl-Rennen gehalten hatte. Erik Meyer führte seine Mannschaft über 80 Yards bis an Frankfurts 9-Yard-Linie, wo Tight End Bobby Blizzard zum sechsten Mal in dieser Saison zum Touchdown-Pass bereit stand. Köln hatte auf 24:7 verkürzt, doch das Problem blieb der bärenstarke Angriff von Galaxy, der an diesem Abend keinen einzigen Turnover zuließ und gleichzeitig den Ball effektiv über das Feld bewegte. Und so konnte abermals der ausgezeichnete Kicker Rhys Lloyd in Stellung gebracht werden, der sich sein zweites Field Goal des Abends (21 Yards) zum 27:7 nicht nehmen ließ. Zu Beginn des letzten Viertels kämpfte der Kölner Angriff mit dem Mut der Verzweiflung. Hatten die Centurions in der ersten Halbzeit insgesamt keine 100 Yards überbrücken können, sammelten sie in der zweiten Spielhälfte insgesamt 231 Yards, davon allein 179 durch Pässe. Schließlich konnte Derrick Ross von der 5-Yard-Linie den Ball noch einmal zum Touchdown tragen. Doch die Frankfurter schlugen ein weiteres Mal zurück und ermöglichten ihrem Kicker Rhys Lloyd, sich mit einem 50-Yard-Field-Goal in die Annalen der NFL Europa einzutragen. Damit hatten die Frankfurter den Endstand von 31:14 hergestellt und feierten den Einzug in den World Bowl.

Frankfurts Cheftrainer Mike Jones, der sein Team zum dritten Mal in Folge in das Endspiel geführt hat, sprach im Anschluss von einer „wunderbaren Saison für uns. Die Mannschaft war heute gut vorbereitet und hat unser System hervorragend umgesetzt.“ Sein Gegenüber, der Kölner Interimscoach John Lyons erklärte, „wir haben heute ein paar Fehler gemacht, weshalb wir besonders in der ersten Halbzeit große Probleme hatten, unser Spiel zu entwickeln. Aber Frankfurts Offensive war auch sehr stark. Hinzu kommt, dass die Fans hier extrem laut waren, was uns einige Schwierigkeiten bereitet hat.“

Die Kölner hatten zu keinem Zeitpunkt eine Chance, dieses Spiel zu gewinnen. Frankfurt war zu dominant und konnte besonders in der ersten Halbzeit das Kölner Spiel effektiv neutralisieren. Hinzu kam eine sagenhafte Frankfurter Offensive, die in jedem Drive bis auf den allerersten punktete. Trotz einer zum Schluss ansehnlichen Spielstatistik war die Niederlage der Centurions auch in dieser Höhe völlig verdient. Die Centurions haben in Frankfurt das gezeigt, was sie bereits in so vielen anderen Partien dieser Saison gezeigt haben, und zwar eine gute und eine schlechte Halbzeit. Doch anders als Rhein Fire, gegen die die Aufholjagd geglückt war, hielt Frankfurt die Kölner wirkungsvoll auf Distanz. Nach den wechselhaften Spielen der vergangenen Wochen wäre eine Finalteilnahme der Cologne Centurions nicht verdient gewesen.

Am Rande des Spielgeschehens erlebte der Kölner Werner Hippler einen bitteren Abend. Nach 11 Saisons und 106 Spielen war dies seine letzte Partie als Profi-Footballer. Der 37-Jährige, der zwischen 1995 und 2004 für Frankfurt spielte, stand mit Galaxy fünf Mal im World Bowl und gewann die Meisterschaft drei Mal. Hippler ist damit der Rekordspieler der Liga. Nach dem Spiel würdigte der Kölner Geschäftsführer Hauke Wilkens den Tight End: „Mein besonderer Dank geht heute an Werner Hippler. Wir werden ihn auf dem Spielfeld sehr vermissen, doch er wird uns als Promotion-Direktor erhalten bleiben.“