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Cologne Centurions: Sea Devils erteilen deutliche Abfuhr

von Dimitrios Papatheodorou; Fotos: Sandra Scherning

Das Rennen um den Einzug in den World Bowl bleibt weiterhin offen. In ihrer bislang schwächsten Partie der Saison unterlagen die Cologne Centurions am Samstagabend den Hamburg Sea Devils mit 7:21 und vergaben damit die Chance, sich vorzeitig für das Finale zu qualifizieren.

Die beiden Mannschaften zeigten den 10.221 Zuschauern bereits im ersten Drive, wie in diesem Spiel die Kräfteverhältnisse verteilt waren. Die Sea Devils, in Köln bislang noch gänzlich ohne Sieg, marschierten unter Führung ihres starken Quarterbacks Casey Bramlet von der eigenen 24-Yard-Linie bis in Kölns Endzone, wo Bramlet einen Touchdown-Pass über 5 Yards landen konnte. Nach dem Extrapunkt stand es 7:0 für die Gäste. Es wurde offensichtlich, dass die Kölner weder das Lauf- noch das Passspiel des Gegners wirksam beeinträchtigen konnten. Im Gegenzug punteten die Centurions in ihrem ersten Drive, in dem sie keinen Raumgewinn verbuchen konnten. Sie hatten während des gesamten ersten Viertels nur einen Ballbesitz von 1:44 Minuten. Im zweiten Viertel konnten die Kölner zwar mehr Ballbesitz verbuchen, aber dennoch nicht die Kontrolle über das Spiel gewinnen. Nur ein einziges Mal standen sie überhaupt in der gegnerischen Feldhäfte, als sie im vierten Down und zwei Yards an Hamburgs 35-Yard-Linie einen Fake Punt versuchten, der jedoch zu einem Raumverlust von 8 Yards führte. Die Hamburger hingegen arbeiteten sich zwei Mal in die oder bis an die Kölner Red Zone heran. Doch das Glück war in diesen Situationen mit den Gastgebern, denn einmal unterlief den Sea Devils ein Fumble, das andere Mal konnte Kicker Shane Andrus einen Field-Goal-Versuch aus 37 Yards nicht verwandeln.

Die zweite Halbzeit begann mit einem Paukenschlag. Kölns Running Back A.J. Harris gelang gleich im ersten Drive nach dem Wiederanpfiff ein Touchdown-Lauf über 54 Yards. Es stand 7:7 und plötzlich schien das Spiel wieder offen zu sein. Doch wenn die Kölner Fans gehofft hatten, die Pausenansprache von Cheftrainer David Duggan habe ähnlich wie gegen Düsseldorf Früchte getragen, wurden sie im direkten Gegenzug bitter enttäuscht. Die Hamburg Sea Devils stellten in einem konsequent vorgetragenen Drive, der sechs Spielzüge umfasste und 68 Yards überbrückte, nach einem 15-Yard-Lauf von Running Back Tony Hollings zum Touchdown die Kräfteverhältnisse wieder her. Wiederum waren die Centurions sowohl gegen das Lauf- und das Passspiel der Gäste machtlos. Zu Beginn des letzten Viertels warf Casey Bramlet seine einzige Interception des Tages, die Kevin House an Kölns 14-Yard-Linie fangen konnte. Der folgende Drive war bezeichnend für das Kölner Spiel an diesem Abend. In einer in dieser Situation fast unbegreiflich konservativen Vorgehensweise versuchten es die Centurions nun mit zwei Laufspielzügen durch die Mitte, die beide an der Line of Scrimmage gestoppt wurden. Der nun zwangsläufig folgende Passversuch durch Erik Meyer wurde mit einem Quarterback Sack vereitelt. In ihrem nächsten Angriffsversuch brachten die Centurions die Sea Devils wieder selbst ins Spiel, als Erik Meyer bei einem der zahlreichen Quarterback Sacks den Ball fallen ließ und Hamburg an Kölns 37-Yard-Linie wieder in Ballbesitz kam. Diese Einladung nahmen die Gäste gerne an und konnten nach einem weiteren konsequenten Drive einen 5-Yard-Lauf zum Touchdown verwandeln. Es stand nun 7:21 aus Sicht der Kölner und das Spiel war entschieden. Dennoch krönten die Centurions ihre unterirdische Leistung noch mit zwei Turnovers, als Erik Meyer ein weiteres Mal ein Fumble nach einem Sack passierte, und als er schließlich seine einzige Interception des Abends warf, was den Sea Devils bei 1:50 Minuten Restspielzeit die Möglichkeit gab, die Uhr ablaufen zu lassen.

Gegen eine Hamburger Mannschaft, die sich am Samstag als echter World-Bowl-Kandidat präsentierte, hatten die Cologne Centurions zu keinem Zeitpunkt die Möglichkeit, das Spiel zu gewinnen. Sie waren einer Hamburger Defense ausgeliefert, die insgesamt nur 181 Yards Raumgewinn zuließ. Besonders schlimm war dabei zum einen, dass die beiden Kölner Running Backs, die letzte Woche noch jeder über 100 Yards erlaufen konnten, an diesem Abend gemeinsam nur 83 Yards schafften, wobei Derrick Ross nur neun Yards beisteuern konnte, und A.J. Harris (74 Yards) von seinem 54-Yard-Touchdown-Lauf profitierte. Für den allgemeinen Spielverlauf spielten die beiden keine Rolle. Die Centurions waren nicht in der Lage, alternativ ein wirksames Passspiel aufzuziehen, denn zum einen erlaubte die Hamburger Deckung kaum Freiräume, zum anderen wurde der bedauernswerte Erik Meyer sechs Mal bei Passversuchen gesackt. Die Kölner Offense Line konnte ihren Quarterback nicht schützen, denn die Hamburger Abwehrleute schienen nach Belieben durch Lücken in der Linie vorzustoßen. Doch für eine echte Abwehrschlacht fehlte der Kölner Defense, sonst das Vorzeigeobjekt der Centurions, die Konsequenz. Die beste Passabwehr der Liga schaffte es nicht, Casey Bramlet die Anspielstationen zu verweigern und ließ 190 Yards bei Pässen zu, während die Defense Line das Hamburger Laufspiel nicht aufhalten konnte.

Kölns Head Coach David Duggan zeigte sich nach dem Spiel „sehr enttäuscht“ von dem Ergebnis und der Leistung seiner Mannschaft: „Hamburg hat heute einfach besser, sowohl was die Spieler als auch was das Coaching angeht. Sie haben den Sieg verdient.“ Das Versagen seiner Passverteidigung konnte Duggan nur teilweise erklären. „Casey Bramlet war heute richtig gut. Diesmal sind bei uns einfach viele Dinge schief gelaufen, während letzte Woche noch vieles gut gelaufen ist“, so der Cheftrainer.

Die Cologne Centurions müssen sich nun mächtig ins Zeug legen, wollen sie den Einzug in den World Bowl noch schaffen. Bereits in einer Woche werden die Amsterdam Admirals in Köln erwartet. Bei der diesjährigen Heimschwäche der Centurions (1-3) gilt es, eine harte Nuss zu knacken. Coach Duggan muss es in den letzten beiden Spielen schaffen, seiner Mannschaft zu konstanten Leistungen zu verhelfen, denn die gute Auswärtsbilanz darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Centurions in dieser Saison neben vielen guten Aktionen auch zahlreiche Unsicherheiten gezeigt haben.