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von Tanja Betzmeir
Sucht man in den endlosen Weiten des Internet nach Informationen, findet man einige dürftige Fakten: Geboren am 26.3.1949 in Ambach am Starnberger See als Sohn des Übersetzers und Schriftstellers Wilhelm Emanuel Süskind. Geschichtsstudium in München und Aix-en-Provence. 1981 das Ein-Mann-Theaterstück „Der Kontrabass“, meistgespieltes Stück der Saison 1984/85. 1985 der Mega-Bestseller „Das Parfum“, übersetzt in 33 Sprachen, über 8 Millionen mal verkauft. 1987 „Die Taube“. 1991 „Die Geschichte von Herrn Sommer“. 1997 das Drehbuch zu „Rossini - oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief“. Mitarbeit an den Drehbüchern zu den Serien „Kir Royal“ und „Monaco Franze“. Lebt zurückgezogen, je nach Quelle in Starnberg, München oder Paris. Süskind scheut die Öffentlichkeit. Er hat bis jetzt kaum Interviews gegeben und meidet den publicity-orientierten Literaturmarkt. Auszeichnungen wie den Gutenberg- oder den FAZ-Preis hat er schlichtweg abgelehnt. Der Journalistin Edith Lier gegenüber hat er in dem einzigen längeren Interview, das er je zugelassen hat, verkündet, im Jahre 2019, zu seinem 70.Geburtstag also, „das Geheimnis um seine Identität lüften zu wollen“. Was natürlich impliziert, dass es da auch tatsächlich ein Geheimnis gibt... Die Person Süskinds ist wie die Charaktere, die seiner Phantasie entstammen, unscheinbar bis zur Nicht-Existenz. Sein Name jedoch steht für große Gegenwartsbelletristik und literarische Prominenz. Dieses Missverhältnis reizt natürlich dazu, seine Person zu mystifizieren, ein „Phantom“ aus ihm zu machen und auf den großen Knall zu warten, auf den Moment, in dem sich das Loch in der Schlagzeile „Patrick Süskind:...!“ endlich mit dramatischem Inhalt füllt. Was aber, wenn dieses Warten vergeblich ist? Wenn sich 2019 herausstellt, dass sich hinter dem Namen „Patrick Süskind“ ein grauhaariger Rentner verbirgt, der morgens zum Frühstück ein Marmeladenbrötchen isst und zwei Tassen Kaffee trinkt, ein bisschen Zeitung liest und mit seiner Frau plaudert, bis die Tochter die beiden Enkelkinder vorbeibringt und sie mit ihnen in den Zoo fahren? Dass er die Seite „Vermischtes“ ganz schnell überblättert, weil ihn allein beim Anblick der „B-Promis“, die ungeschminkt mit fettigen Haaren und schlabberigen Jogginghosen beim Einkaufen „erwischt“ worden sind, ein Anflug von Ekel überkäme? Vielleicht erzählt er auch, dass er nachts manchmal schweißüberströmt aufwacht, weil er geträumt hat, dass eine Horde Journalisten ihn in den Starnberger See treibt, bis von ihm, wie am Ende von Herrn Sommer, nur noch ein Hut übrig ist, der auf dem Wasser treibt. Vielleicht ist das „Phantom“ eben nur ein Mensch, der Mensch bleiben und ein menschenwürdiges Leben führen will. „Ja, so lasst mich doch endlich in Frieden!“, wie es Herr Sommer auf den Punkt bringt... – Der Friede sei ihm gegönnt! | ||
