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"Kunst, die man sich nicht übers Sofa hängen kann" – KunstFilmBiennale Köln 2005

von Christine Schauerte
 

Dass die Kölner Rheinmetropole schon immer ein kultureller Schmelztiegel der ganz besonderen Art gewesen ist, zeigen nicht nur die vielen jährlich präsentierten Veranstaltungen, vom Christopher Street Day bis zum Ringfest, die zahlreichen Festivals, Konzerte und das unendliche Angebot an den rheinischen Theaterbühnen, sondern auch die historische Stadt Köln selbst.
Seit einigen Jahren jedoch wird das überreiche Angebot noch verstärkt durch die einzigartige KunstFilmBiennale, ein Filmwettbewerb, der seit 2002 unter (der) Mitarbeit des Museums Ludwigs stattfindet. Es ist eine einzigartige Mischung aus Ausstellung und Filmfestival und der wichtigste deutsche Film-Nachwuchspreis. Teilnehmen können Filme von bildenden Künstlern, dokumentarische Filme über bildende Künstler und Spielfilme, die bildende Kunst zum Thema haben. Inhaltlich und formal sind den Wettstreitern also keine Grenzen gesetzt. Es kann alles geben von narrativ und experimentell bis hin zu dokumentarisch. Solchermaßen bildet dieses Festival einen Brückenschlag zwischen bildender Kunst und Kino.
Die gezeigten Arbeiten reflektieren die aktuelle Lebendigkeit der Kunstszene, vor allem aber illustrieren sie auch die wachsende Bedeutung für die Erneuerung der Kinos, denn ohne die technischen und visuell-schöpferischen Experimente der Filmemacher wäre die Popularität von Hollywoodkino, Fernsehspiel und Dokumentationen undenkbar.
 
Zahlreiche Prominente, darunter Hitchcock und Paul McCarthy, Martin Kippenberger und Jochen Kuhn füllten als Künstler, Darsteller, Regisseure oder als Thema die KunstFilmBiennale. Eröffnet wurde das fünftägige Filmfestival in Köln (19.10. bis 24.10) mit dem dramatischen Porträt des Malers Amadeo Modigliani (gespielt von Andy Garcia), der im Paris der 1920er einen erbitterten Wettstreit gegen seinen ärgsten Konkurrenten Pablo Picasso führt. Diese Geschichte bot einen gelungen Einstieg in die Kölner Kunstfilmbiennale, da sie die Wirrungen im Leben eines Malers zeigt, verloren zwischen Liebe, Hass, Hingabe und Rivalität. „Kunst als Verbeugung vor dem Kino und Kino aus Liebe zur Kunst stehen im thematischen Mittelpunkt“, so Heinz Peter Schwerfel, künstlerischer Leiter der KunstFimBiennale über den internationalen Wettbewerb.
Eine Fülle von insgesamt fünf Welturaufführungen wurden dem filmbegeisterten Publikum geboten, darunter auch „Kippenberger – Der Film“, eine liebevolle Biographie über den Künstler Martin Kippenberger inszeniert von Jörg Kobel. Bereichernd war auch die Werkschau von Jochen Kuhn, der bereits für seinen Kurzfilm „Neulich 3“ bei den Kurzfilmtagen Bamberg 2004 einen Preis erhielt und nun mit seinen Gesamtkunstwerken aus Zeichnung, Musik und Text, viel Gespür für die Abgründe des Alltags demonstriert.

Die Schwerpunkte dieser Biennale waren „Die letzten Paradiese“, „Identitätsfindung“, „Utopie und Wahnsinn“, „Künstlerschicksal“, „Spurensuche“, „La Boheme“, „Tagebücher“, „Exotica“, „Körpermaschine“, „Kunstansichten“, „Wahrnehmungsprozesse“, „Bildsprachen“ und „Hommage ans Kino“. Innerhalb dieser Themenstellung konkurrierten rund 60 Filme, von insgesamt über dreihundert eingereichten Arbeiten junger deutscher Filmemacher, um den mit 15.000 Euro von der Filmstiftung NRW dotierten Preis. Bedient wurden alle Genres. Vom Science-Fiction-Film ohne Spezialeffekte (Marine Hugonnier mit THE LAST TOUR) über die Auferstehung des Surrealismus (Bady Mick mit LA BELLE EST LA BÊTE) bis zum Teenagerfilm (Anna Gaskell mit ERASERS).

Ein weiteres besonderes Interesse galt den Künstlerfilmen aus Südamerika, die vom Experimentalfilm über Tanz- und Videokunst bis hin zum politischen Manifest äußerst interessante Themen behandeln. Doch auch die Kölner Kunstszene kam nicht zu kurz und in Zusammenarbeit mit dem Westdeutschen Rundfunk (WDR) und dem Museum Ludwig wurde ein Programm mit seltenen Filmen von Fluxus-Künstlern und über Fluxus-Aktionen der Kölner Kunstbewegung der sechziger Jahre zusammengestellt.
Gewinner des internationalen Wettbewerbs der diesjährigen KunstFilmBiennale Köln erhielt letztendlich der 39jährige polnische Künstler Artur Zmijewski mit seinem Beitrag „Repetition“ (Probe). Eine eindrucksvolle, mit versteckten Kameras gedrehte Neuinszenierung eines Gefängnisexperiments.
In fünf verschiedenen Veranstaltungsorten verfolgten über 3.500 Zuschauer fünf Tage lang interessiert, die zum Teil ausverkauften Vorstellungen der Filme von und mit bildenden Künstlern und ließen sich von ihren Bildern und Darstellungen berühren und faszinieren.

Die KunstFilmBiennale Köln ist eine Veranstaltung der SK Stiftung Kultur der Sparkasse Köln Bonn und der Stadt Köln, in Kooperation mit der Imhoff Stiftung und der Kunststiftung NRW. Weitere Partner sind das Museum Ludwig, Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst, Kölnischer Kunstverein, Art Cologne und die Kunsthochschule für Medien Köln.

www.kunstfilmbiennale.de