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von Stephanie Kern
nicht – sondern um das Leben mit der Nachtschicht. Normalerweise schlafe ich durchschnittlich etwa neun Stunden pro Nacht, was nicht weiter schwer ist, wenn man frühestens um elf Uhr Uni hat. Na klar, ich studiere Geisteswissenschaften, wer sonst ist so faul? Damit wäre wieder mal ein wunderbares Klischee bestätigt. Aber zurück zur Nachtschicht. Je nach Schicht muss man um kurz nach ein Uhr oder um Viertel nach zwei antreten. Viele andere Ferienarbeiter machen deshalb durch und schlafen dann tagsüber. Wenn man aber, wie meine Eltern, mitten auf dem Land wohnt, ist tagsüber schlafen nicht drin. Die Bauern in der Nachbarschaft nehmen keine Rücksicht auf Langschläfer. Meine Eltern fänden es auch nicht sonderlich lustig, wenn sie den ganzen Tag auf Zehenspitzen durchs Haus schleichen müssten. Ich wüsste zudem gar nicht, was ich jeden Abend bis um ein, respektive zwei Uhr mit meiner Zeit anfangen sollte. Vor dem Fernseher würde ich bestimmt einschlafen, und Lernen bringt um diese Zeit auch nichts, mir zumindest nicht. Also geht es jeden Abend um 19 Uhr ins Bett und dann morgens nach der Arbeit, so gegen 6 Uhr, nochmals für 2 bis 3 Stunden. Das ist leider die einzige Möglichkeit, um einigermaßen ausreichenden Schlaf zu bekommen. Ich hatte schließlich drei Sommer Zeit, es auszuprobieren. Allerdings liegt die Betonung auf einigermaßen; müde bin ich trotzdem ständig, besonders wenn ich zwischendurch eine Nacht frei habe, weil das den Rhythmus vollends durcheinander bringt. Pro Woche sind es leider nur 17 Stunden Arbeitszeit, Urlaubsvertretung für Leute in Teilzeitjobs. Bei durchschnittlich elf Euro die Stunde kommt natürlich trotzdem einiges zusammen. Die wirklich lukrativen Jobs allerdings, bei denen man die ganze Nacht für diesen Stundenlohn arbeiten kann, sind ohne die richtigen Beziehungen unerreichbar. Eine große Firma in der Nähe stellt beispielsweise nur Verwandte von Mitarbeitern ein. Das Problem mit dem „Vitamin B“ hat mich auch veranlasst, dieses Jahr wieder bei der Post zu jobben, obwohl ich mit letztes Jahr geschworen hatte, das nie wieder zu tun. Im nächsten Sommer habe ich hoffentlich einen Praktikumsplatz in Köln. Bei der Post werde ich jedenfalls bestimmt nicht mehr arbeiten. Aber hatte ich mir das letztes Jahr nicht auch vorgenommen? | ||
